Der Löwe

Wie ich an anderer Stelle schon schrieb, hat sich im vergangenen Jahr in meinem Fahrzeugbestand eine grundlegende Veränderung ergeben. Der Saab wurde nach 222.000 gemeinsamen Kilometern verabschiedet. Der Schwede hat mittlerweile ein neues Zuhause gefunden – und hier steht seit Februar ’16 sein Nachfolger vor der Tür. Nach einem Jahr Zeit ein wenig Bilanz zu ziehen.

Es gibt Gemeinsamkeiten. Es ist wieder ein europäischer Hersteller. Der Hersteller hat vier Buchstaben und fängt auch mit S an. Vom Norden Europas geht es allerdings in den Süden, nach Spanien. Seat steht nun auf dem Auto drauf, genauer Leon.

Der Leon ist in vielerlei Hinsicht ein Vernunftsauto. 105 PS, 1,6 Liter Hubraum, TDI. An die rund 50 PS weniger – ja, zugegeben, da musste ich mich dran gewöhnen. Was nicht heißt, der Leon sei komplett untermotorisiert. Nein, zügiges Vorankommen geht noch immer. Schaltfaul cruisen auch. Dem TDI sei Dank liegt schon sehr früh das maximale Drehmoment an. Was allerdings im Umkehrschluss auch heißt, oben rum kommt nichts mehr dazu. Der Saab war im unteren Drehzahlbereich durchaus gut dabei, forderte man ihn allerdings ab 4.000 Umdrehungen merkte man deutlichen Druck im Rücken.

Andererseits: Wenn ich nach 940 Kilometer 42 Liter Diesel in den Tank befördere, dann ist mir auch klar, mit dem Saab wäre das nicht gegangen. Und wenn ich mich anstrengen würde, dann wäre da noch Luft nach oben. Allerdings würde mir das Autofahren dann keinen Spaß mehr machen ;-) Im Regelbetrieb möchte der Leon mit 4,8 Litern Diesel auf 100 Kilometer gefüttert werden. Luft ist da in beide Richtungen, ich hatte auch schon 3,8 geschafft – aber erwähnte ich schon das mit dem Spaß? Nach oben geht natürlich auch, das ist dann Autobahn Vollgas, da geht es dann auch mal auf die 6 Liter zu.

Und wenn wir schon beim Verbrauch sind: Ich hatte bei der Überlegung Diesel oder Benziner mit knapp über 20.000 Kilometern Jahresfahrleistung kalkuliert. Das Ergebnis sprach da schon für den Diesel. Heute weiß ich, dass ich mich zwar verrechnet hatte, die Entscheidung aber korrekt war. Denn nach 12 Monaten stehen schon über 29.000 Kilometer auf dem Löwentacho. Klar, ein Punkt ist, dass er auch als unser Urlaubsauto fungiert, hier kommen auch noch einige Kilometer oben drauf.

Wie fühlt  er sich denn nun an, der spanische Heißblüter? Ohne meinem Saab weh tun zu wollen muss ich sagen: gut. Es ist ein solides Auto, ja, man merkt hier und da es ist auch kein Golf, alleine wenn man die Heckklappe zufallen lässt. Bei einem Golf klingt das schon satter, vom Saab rede ich gar nicht erst ;-). Ein „billiges“ Auto also? Nein, auch das kann ich absolut nicht sagen. Ganz im Gegenteil.

Meiner Freundin sei Dank habe ich die Marke Seat neu entdeckt. Erinnert sich noch jemand an den Marbella? Eine Klassenkameradin aus dem Fachgymnasum hatte so einen. Und das war eine Blechkiste auf Rädern. Und das war für mich Seat. Als ich das erste Mal bei meiner Freundin in ihren 2013er Ibiza gestiegen bin war ich extrem überrascht. Was Seat seit dem Marbella da auf die Straße gestellt hat muss sich nicht mehr verstecken. Ganz im Gegenteil. Materialien nicht mehr billigstes Plastik sondern man findet den Innneraum modern und heimelig vor. Ich fühle mich wohl.

Aber um den Ibiza geht es ja nicht, sondern um den Leon. Aber auch hier gilt: gute Verarbeitung, Materialien wertig. Ich sitze gut in dem Auto und habe meine Freude an jedem Kilometer den ich fahre. In vielerlei Hinsicht bin ich in diesem Jahrtausend der Fahrzeugtechnik angekommen: Beim Einparken piepst es, mein Radio kann CD und SD-Card, mein Handy muss ich nicht mehr in die Freisprecheinrichtung fummeln, sondern verbindet sich automatisch per Blutooth. Stimmt der Reifendruck nicht mehr erzählt mir mein Auto das und wenn ich möchte hat es auch Tipps für eine umweltschonende Fahrweise für mich.

Und, welches Auto macht(e) nun mehr Spaß? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, für mich sogar unmöglich. Man kann natürlich die reinen Fakten in Form von technischen Daten betrachten, aber auch hier gibt es auf beiden Seiten für und wider. Was mich betrifft: mir macht der Leon genausoviel Spaß wieder Saab – nur eben anders. Der 9-3 war Individualist, hatte mehr Dampf unter der Haube. Der Leon ist mehr Kurvenräuber und Sparfuchs an der Zapfsäule. Beide Autos haben ihre Vorzüge und Nachteile. Beide Autos sind sehr unterschiedliche Charaktere aber in Summe halten sie sich für mich die Waage. Deshalb kann ich guten Gewissens sagen: der Leon macht mir Spaß.

 


Autor: Christian Rohweder

Begeisterter Fotograf und Motorradfahrer, Anhänger der Musik aus den 80ern, und Fan der folgenden Filme: Die unendliche Geschichte I, Fame (1980), Herr der Ringe, Harry Potter, Star Trek, Star Wars.

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