Irland – das Fahren

In Irland Auto zu fahren ist anders, denn wie jeder weiß fährt man dort auf der falschen Seite. Ich hatte 2014 schon mal das Vergnügen auf der falschen Seite fahren zu dürfen, damals habe ich mit einem Vito eine Motorradgruppe in Schottland begleitet. Der Vito war ein Linkslenker wie bei uns üblich.
Nun stand ich vor einem rechtsgesteuerten Passat in der Abholstation unserer Autovermietung. Wir hatten definitiv eine Kategorie (wenn nicht sogar zwei) darunter bestellt – und ich ahnte auch genau warum. Daher hielt sich meine Begeisterung über das Upgrade in Grenzen. Dazu aber später mehr.

Wenn man das erste Mal in eine, Rechtslenker sitzt erwartet man alles spiegelverkehrt. Ist es aber nicht – und an mancher Stelle ist das echt doof. Der Passat hat sein Hauptabsatzgebiet in Märkten mit Linkslenker. Daher finden wir die Anordnung von Blinker- und Scheibenwischerhebel so vor wie wir es aus Deutschland her kennen. Auf den ersten Blick kein Problem, auf den zweiten ist damit ein zumindest bei mir verinnerlichter Ablauf nicht mehr möglich. Nämlich Schalten und gleichzeitig den Blinker zu setzen. Denn die Gangschaltung ist natürlich links von mir angeordnet.
Die ist übrigens genauso ausgelegt wie bei uns: erster Gang links oben, sechster Gang rechts unten. Das bedeutet zwei Umstellungen. Zum einen überhaupt mit links schalten. Da muss man für die Schaltkulisse erstmal das Gefühl entwickeln und es gibt Situationen, da schlägt der innere Automatismus zu und die rechte Hand sucht den Schalthebel, findet aber nur den Türgriff. Zusätzlich haben wir verinnerlicht, dass wir beim Hochschalten der Gänge von uns weg schalten. Beim Rechtslenker schalten wir auf uns zu. Klingt einfach, ist es aber nicht in jedem Augenblick. Es gibt Momente, da schlagen die verinnerlichten Abläufe einfach zu und man landet in irgendeinem Gang, nur nicht in dem beabsichtigten. Anfahren im 5. Gang mit nem Passat ist doof. :-)

Was noch gewöhnungsbedürftig ist, ist das Raumgefühl für das Fahrzeug. Wenn wir in einem Linklenker sitzen, befindet sich ein ganzer Teil des Fahrzeugs rechts von uns. Wir haben uns daran gewöhnt und kommen damit auch ganz gut klar wenn wir mal ein anderes Auto bewegen, welches uns nicht so vertraut ist wie das eigene. Beim Rechtslenker ist das natürlich auch umgekehrt und ich habe durchaus einige Kilometer gebraucht, bevor ich angefangen habe ein Gefühl dafür zu entwickeln wie viel Platz noch links zwischen Auto und Straßenrand ist. Was übrigens gerade in Irland sehr wichtig ist.

Denn die Straßen in Irland, gerade abseits der Städte, sind nicht immer die breitesten. Und die Breite einer Straße kann man nicht unbedingt an ihrer Bezeichnung ablesen. Man kommt dann durchaus ins Staunen, wie schmal eine „Bundesstraße“ dort werden kann. Bei uns spart man sich da in der Regel den Mittelstreifen und spendiert großzügigerweise noch die Seitenmarkierungen. Und da passt so ein Passat, der in der aktuellen Generation schlicht ein Schiff geworden ist, nicht mehr auf die vorgesehene Fahrspur. Begegnungen werden dann interessant, sind aber mit den Einheimischen eher kein Problem. Ausweichstellen sind hier und da vorhanden, manchmal muss man aber ins Grün. Daher mit Rat wer Irland hinterm Lenker entdecken will und nicht mit einer Großfamilie unterwegs ist: bucht einen kleinen Wagen. Ist stressfreier.

Zu guter Letzt etwas, wovor ich wirklich etwas Bammel hatte: Kreisverkehr. 2014 habe ich da nämlich zwei Situationen erlebt, wo ich beim Einfahren in den Kreisel den Verkehr im selbigen schlicht übersehen oder nicht wahrgenommen habe. Denn wenn man bei uns in einen Kreisel einfährt kann von rechts nichts kommen. Dieses Mal hatte ich damit gar kein Problem. Ich vermute auch das hat mit einem verinnerlichten Prozess zu tun. Im Kreisel erwarte ich Verkehr auf der Seite auf der ich sitze. Ich saß diesmal rechts, der Verkehr kam auf meiner Seite auf mich zu. Hat funktioniert und zwar ohne das ich mich darauf konzentrieren musste. Damals mit dem Linkslenker hat das genau nicht funktioniert.
Das Fahren ansonsten habe ich als sehr stressfrei empfunden, man ist ziemlich rücksichtsvoll unterwegs, lässt anderen auch mal die Vorfahrt oder in die Kolonne beim Abbiegen einscheren. Die Iren sind da entspannter als wir.

Insgesamt war es eine sehr spannende Erfahrung in Irland mit einem Rechtslenker unterwegs zu sein. Und gegen Ende der kurzen Reise hatten sich auch die meisten Automatismen angepasst. Von daher werde ich mich nächstes Mal sehr entspannt hinter das Lenkrad in Irland setzen – natürlich in einem kleinen Auto :-)


Autor: Christian Rohweder

Begeisterter Fotograf und Motorradfahrer, Anhänger der Musik aus den 80ern, und Fan der folgenden Filme: Die unendliche Geschichte I, Fame (1980), Herr der Ringe, Harry Potter, Star Trek, Star Wars.

2 Gedanken zu „Irland – das Fahren“

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