Back to analog 2

2? Gibt’s denn da einen ersten Teil? Ähm… ja, eigentlich schon. Der schlummert seit fast einem Jahr in meinem Blogsystem herum und an sich wollte ich den jetzt doch mal veröffentlichen. Beim nochmaligem Lesen bin ich allerdings zu dem Schluss gekommen, dass er sich in Teilen überholt hat und ein Umschreiben aufwendiger wäre als ein Neuschreiben. Ergo gibt’s was neues.

Den ursprünglichen Artikel leitete ich mit folgenden Worten ein:

Wenn man Twitter, Facebook oder auch andere Netze verfolgt, dann könnte man streckenweise fast meinen, die digitale Fotografie ist tot und es wird wieder ausschließlich analog fotografiert. :-) Ja, ok, das war jetzt übertrieben, aber ich habe das subjektive Gefühl, die analoge Fotografie erlebt nicht einfach eine Renaissance, sondern es sind auch eine ganze Reihe von Leuten dazwischen, die das als Modeerscheinung sehen und meinen „in“ sein zu müssen.

Der weitere Text ging auch so ein bisschen in Richtung „analoge Fotografie als Modeerscheinung“ und in dieser Form möchte ich das nicht mehr stehen lassen. Auch wenn ich denke, dass es immer noch eine Reihe von Menschen gibt, die die „alte“ Fotografie als Hype sehen und nutzen. Aber heute, ein Jahr nach meinem ursprünglichen Textansatz hat sich doch einiges verändert.

Ilford FP4 s/w-Film und Sandisk 1GB Speicherkarte

Gefühlt war die analoge Fotografie eine ganze Zeit dem Untergang geweiht. Es schien als würde sie völlig in der Versenkung verschwinden. Sicherlich hat sie nicht mehr die Bedeutung die sie einmal hatte und ich glaube auch nicht, dass sie diese eines Tages zurückerobern wird. Fakt ist jedoch, es gibt einerseits immer noch Profis wie z.B. Jim Rakete die auf den Film schwören und digital nicht arbeiten wollen. Fakt ist aber auch, dass es eine Reihe von digitalen Fotografen gibt, die sich gern auf die Ursprünge besinnen und nicht nur zur analogen Kleinbildkamera greifen sondern auch den alten Großformatkameras wieder neues Leben einhauchen. Besonders beliebt scheint auch das Mittelformat zu sein, die Preise für einige Kameras auf Ebay haben sich in den letzten zwölf Monaten mehr als verdoppelt.

Aber was ist es, was macht diesen Reiz aus? Heute mache ich mein Foto mit der digitalen Kamera, bearbeite es am Rechner ggf. nach und stelle es online bei einem der großen Bildportale. Geht schnell und ist ganz einfach. Analog ist anders. Da will erst der Film gewählt werden, dann kann man los ziehen. Und in jedem Fall ist man von der Bildmenge her begrenzt. Wer es dann auf die Spitze treibt entwickelt den Film selbst und fertigt auch die Abzüge im eigenen kleinen Labor. Auf der einen Seite also schnell und einfach, auf der anderen Seite aufwendig und langsam.

Was soll das also? Auf eine 4GB Speicherkarte schiesse ich mit meiner D700 bis zu 270 Bilder im RAW. In meine F90x bekomme ich je nach Film und Einlegetalent zwischen 36 und 39 Fotos. Und ich habe keine Bildvorschau, weiß nicht, ob das Bild etwas geworden ist. Erst wenn ich den entwickelten Film in Händen halte habe ich die Erkenntnis: Lust oder Frust. Und genau das scheint der Reiz zu sein. Das Foto ist heute ein unwahrscheinlich schnelles Medium geworden und wir produzieren Maßen davon. Früher haben wir lange nicht diese Mengen produziert. Ein Foto hat Geld gekostet, der Film war irgendwann voll, wir haben einmal mehr über ein Foto nachgedacht. Aus heutiger Sicht heißt das, wir treten bewußt auf die Bremse wenn wir wieder analog arbeiten.

Vor einem Jahr habe ich die analoge Fotografie noch als Hype gesehen, der sich schnell wieder erledigt. Inzwischen muss ich das revidieren. Durch das erzwungene langsamere Arbeiten, durch die weiteren Einschränkungen macht man sich wieder das Bild als solches bewusst. Und das ist auch gut so,sensibilisiert es doch wieder den Fotografen für das Wesentliche.

Ich für meinen Teil habe im Kühlschrank noch sechs hoffnungslos überlagerte Filme liegen, die ich aber definitiv noch durchschiessen werde. Entweder mit der F90x oder mit der F-501, die meine erste eigene SLR war. Selbst mal auf die Bremse zu treten tut mir sicherlich gut. Auch wenn ich mit meiner heutigen Nikon versuche keine Maßen zu erzeugen. Hinterher am Bildschirm ertappe ich mich immer wieder bei der Erkenntnis ein überflüssiges Bild vor mir zu haben – und das schon beim Auslösen gewusst zu haben. Frei nach dem Motto lieber erstmal machen, wegschmeissen kann man es immer noch.

Habe ich mich denn nun vom „Fieber“ anstecken lassen? Ein wenig, ja. Wie gesagt, es warten noch sechs Filme auf mich. Die ich aber nicht selbst entwickeln werde, dafür habe ich nicht die Ruhe und auch nicht das Equipment. Es gibt aber auch zwei analoge Kameras die ich mir gerne noch zulegen möchte, die es mir irgendiwe angetan haben. Mittelformat versteht sich. ;-)

 


Autor: Christian Rohweder

Begeisterter Fotograf und Motorradfahrer, Anhänger der Musik aus den 80ern, und Fan der folgenden Filme: Die unendliche Geschichte I, Fame (1980), Herr der Ringe, Harry Potter, Star Trek, Star Wars.

Ein Gedanke zu „Back to analog 2“

  1. Danke für den Artikel „Back To Analog“.

    Ich gehe noch weiter:

    Es gibt keine digitale Photographie (Fotografie) – – -es gibt auch keine Analoge !
    Es gibt nur die einmalige Photographie, und die seit dem Jahr 1839.

    Unser Portraitatelier mit grundsätzlich eigener Color-und S.W.Fachlaborausarbeitung – seit 1946 – arbeitete zu keiner Zeit DIGITAL.- Mittwochs und Sonntags werden Abends die Filme in C 41 entwickelt- Pass- und Bewerbungsphotos zu Montag und Donnerstag auf 17.00 Uhr erstellt im RA 4 – Prozess : dort bis zu 60 x 120 cm Bildformat, ebenso S.W.- Als Negativ-Formate KB – 6/7cm, 9×12, 4×5 inch, 13x18cm, bis 18x24cm und 8 x 10 inch möglich.– Unsere Kunden wissen das zu schätzen und bleiben; neue Kunden, teils junge Leute, die von Bildern mit Film eigentlich keine Ahnung haben, kommen neu dazu, sie sind begeistert von den lebensechten, fast ewig haltbaren Portraitphotographien = Lichbildwerke ! eben ! KODAK PORTRA Filme = Die Umsätze steigen wieder.

    Kurz- um :
    Siehe auch unsere Site „Das Märchen vom digitalen „Foto“ “ und unsere Site “ Labor und Veredelung“.

    M.f.G. Alexander Sommer.

    Jahrgang 1949, Beginn der Photographenlehre im väterlichen Betrieb in Lage/Lippe 1965, Meisterprüfung in Hamburg im Jahre 1973. Selbstständig in Detmold seit 01.04.1975, im eigenen Hause seit 1985 mit einer Betriebsgröße : Galerien / Studios / Laborräume Color und S.W. von 160 qm.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

;-) :x :wall: :twisted: :thinking: :roll: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grrr: :evil: :cry: :autsch: :arrow: :P :?: :? :-| :-D :-) :-( :!: 8O 8-)