Gratis noch zu teuer

Das Anspruchsdenken einiger Zeitgenossen nimmt vereinzelt sehr seltsame Züge an. Jedenfalls habe ich mich heute Morgen doch sehr über einige iTunes-User gewundert, die als Kind scheinbar zu heiß gebadet wurden oder sonst wie den Sinn für die Realität zumindest in Ansätzen verloren haben.

Darum geht es: Apple hat vor Weihnachten die App „12 Tage“ zur Verfügung gestellt. Die Aufgabe der App ist, den Anwender auf sonst kostenpflichtige Downloads aus dem iTunes-Store hinzuweisen, die es an dem jeweiligen Tag kostenlos gibt. Dabei handelt es sich um sehr unterschiedliche Medien wie Musik, Videos, Filme, Spiele oder auch Bücher. Heute gab es eine EP von Roger Cicero.

Geschmäcker sind ja nun mal grundverschieden. Das ist nun nichts neues und so ist es auch nicht überraschend, dass die heutige Auswahl nicht auf uneingeschränkt Gegenliebe stößt. Ich bin nun auch nicht gerade ein Cicero-Fan, aber diesen Artikel deswegen negativ zu bewerten – auf die Idee bin ich noch nicht gekommen. Genau das passiert aber. Da bewerten irgendwelche frühpubertierenden Kinder Leute den Artikel negativ, weil nicht ihre persönlichen Geschmäcker bedient werden. Anstatt sich drüber zu freuen, dass es so eine Aktion überhaupt gibt wird gleich gemeckert. Vor dem Hintergrund, dass die Leute nicht einen müden Cent locker machen mussten, denn die 12 Tages-App ist ebenfalls kostenlos. Ach ja, ein Zwang die angebotenen Artikel herunter zu laden besteht übrigens auch nicht.

Forderungen nach mehr Mainstream wurde laut oder auch die Argumentation, man möge doch mal auf die Jugendlichen Rücksicht nehmen, die doch den größten Anteil an iPhone-Usern wären. Aha? Wenn dem so ist, dann ist das iPhone nebst Tarifen also inzwischen ein Billigprodukt geworden, oder unter den Jugendlichen von heute ist der Reichtum ausgebrochen.

Stellt sich die Frage: muss das sein? Bei nüchterner Betrachtung wohl nicht. Aber es scheint der Trend in unserer Gesellschaft zu sein dem überzogenen Anspruchsdenken zu frönen. Wenn für eine Ware oder Dienstleistung ein Entgelt geleistet wird, dann sollte man in gewissem Rahmen einen Gegenwert erwarten, ganz klar. Aber bei Dingen die man mal so geschenkt bekommt?


Autor: Christian Rohweder

Begeisterter Fotograf und Motorradfahrer, Anhänger der Musik aus den 80ern, und Fan der folgenden Filme: Die unendliche Geschichte I, Fame (1980), Herr der Ringe, Harry Potter, Star Trek, Star Wars.

4 Gedanken zu „Gratis noch zu teuer“

  1. Auf der einen Seite hast Du Recht. Insbesondere im Internet herrscht teilweise die Meinung vor, dass alles kostenlos sein muss, alles andere wäre Abzocke.

    Anderseits muss niemand eine bestimmte Musik gut finden, nur weil sie gerade kostenlos zu bekommen ist.

    Gruß Michael

  2. Klar, keine Frage. Was mich aber einfach stört ist sich darüber aufzuregen, dass man bei kostenlosen Dingen nicht seinen individuellen Geschmack präsentiert bekommt. Entweder trifft es meinen Geschmack, dann lade ich es mir runter und freue mich. Oder es trifft nicht meinen Geschmack, dann lade ich es mir nicht. Im konkreten Fall Cicero doof zu finden, ihn trotzdem herunterzuladen und dann schlecht zu bewerten – das ist irgendwie widersprüchlich.

  3. Was kann man dran tun: Leider wenig.

    Was kann man für sich selber draus lernen: Biete nichts kostenlos an, Du wirst damit nur die Leute anziehen, die kein Geld ausgeben wollen, und die selbst bei Kostenlos nur rummeckern, Deine Zeit stehlen und Dich schlecht machen.

  4. Ah, Danke für den Beitrag. So muss ich ihn nicht schreiben.

    Ich habe mir die 12 Tage lang die Bewertungen angeschaut und habe mich echt geschämt. Fremdgeschämt.

    Vulgäres Gesappel, Apple-Bashing, 50% der Bewertungen mit einem Stern (weil Apple „so einen Dreck verschenkt“, „Apple zum kotzen ist“ usw.). Die ganze Bewertungsgeschichte ist somit versaut und müsst daher neu überdacht werden.

    Mit Verbreitung des iPhone hat sich Apple die ganze Deppen und Proleten in den Kundenkreis gezogen (ich weiß, das klingt überheblich und elitär). Vor einigen Jahren war der Kundenkreis im Durchschnitt deutlich reifer und dankbarer…

    @ Michael: „Anderseits muss niemand eine bestimmte Musik gut finden, nur weil sie gerade kostenlos zu bekommen ist.“
    Das ist ja auch richtig so – nur muss ich eben dann nicht meine sinnlose Meinung dazu äußern und die Rezensionen vollspammen.

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