USA: Mit dem Rücken an der Wand

Unruhig ist man schon länger in Washington und nun hat man dort seinen ganz eigenen GAU, darüber hinaus einen diplomatischen dazu. Die Veröffentlichungen auf WikiLeaks haben eingeschlagen wie eine Bombe, wenn man diese Begrifflichkeit mal benutzen darf in diesen Zeiten. Denn letztlich geht es genau darum, um diplomatisches Kräftemessen, um Glaubwürdigkeit und Vertrauen auch in Krisensituationen. Ich wurde gefragt, ob ich das gut finde was WikiLeaks da macht. Die Antwort ist ein klares Jain.

(c) WikiLeaks
(c) WikiLeaks

Einerseits kann ich eine gewisse Amüsiertheit nicht verbergen. Die USA, die sich immer als Weltpolizei darstellt und versucht alles und jeden nach seinen Regeln spielen zu lassen, steht mit herunter gelassenen Hosen da. Denn die jüngsten Veröffentlichungen zeigen, dass man auch in den Staaten nur mit Wasser kocht und das scheinbar genau eine einzelne Person ausgereicht hat, um das vermeintlich sichere Netzwerk aus Sicherheitsmaßnahmen zu unterlaufen. Und in diesem Dunstkreis der Geheimhaltung arbeiten sehr viele Menschen. Und wenn man davon ausgeht, dass jede Person die Zugang zu diesem Material erhält sicherheitsüberprüft wurde – dann zeigt es um so mehr, dass es immer einen Unsicherheitsfaktor geben wird, nämlich den Menschen als solches. Und: absolute Sicherheit in der IT gibt es einfach nicht.

Andererseits hat es seinen Grund, dass viele dieser Dokumente nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Bündnisse und Absprachen inoffizieller Natur hat es immer gegeben, zu allen Zeiten und es wird sie auch immer geben. Das erleben wir im Kleinen wie im Großen. Nur das es im Großen im schlimmsten Fall Menschenleben kosten kann. Vielleicht sind es gerade die geheimen Absprachen die eine Krisenregion halbwegs unter Kontrolle hält, wo Wahrheiten an Egos kratzen würden und gerade in nichtdemokratischen Regionen schnell in Waffengewalt ausarten können.

Wikileaks hat mit der Veröffentlichung solcher Dokumente eine große Verantwortung übernommen und ich bin mir nicht sicher, ob eine handvoll Menschen in der Lage ist, eine solche Verantwortung zu tragen. Eine Bloßstellung der USA ist das eine, sicherheitsrelevante Absprachen zu gefährden das andere. Transparenz ist gut und schön, aber kann damit auch jeder umgehen? Muss man sich mal im Kleinen, in seinem persönlichen Umfeld betrachten und bewerten.


Autor: Christian Rohweder

Begeisterter Fotograf und Motorradfahrer, Anhänger der Musik aus den 80ern, und Fan der folgenden Filme: Die unendliche Geschichte I, Fame (1980), Herr der Ringe, Harry Potter, Star Trek, Star Wars.

2 Gedanken zu „USA: Mit dem Rücken an der Wand“

  1. Ich frage mich, ob WikiLeaks im Kleinen funktionieren kann, also zB um Dokumente über ein Bundesland oder eine Stadtverwaltung zu veröffentlichen, und ob damit dann vielleicht Korruption schwieriger werden würde, wenn man befürchten müsste, dass es jemand Anonym veröffentlichen kann.

  2. Theoretisch schon, wenn man einem lokalen/regionalen WikiLeaks die nötige Bekanntheit verschaffen könnte. Aber daran könnte es scheitern. Wolltest Du über FlensburgLeaks nachdenken? ;-)

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