Lokalberichterstattung – was ist sie noch wert?

In den letzten Tagen habe ich mich gleich zweimal über die Berichterstattung der Lokalpresse, in deren Einzugsbereich ich derzeit gastiere, gewundert. Im ersten Moment auch geärgert ob der fraglichen Qualität des betriebenen Journalismus, geblieben ist aber ein Wundern über diese Art der Berichterstattung.

Der erste Fall betrifft neu installierte Blitzanlagen in der Stadt, die seitens der Zeitung in einem Bericht über den grünen Klee gelobt wurden. Die Fragen nach Abzocke und gewonnener Verkehrssicherheit auf Grund der Standorte sucht der Leser vergebens und der bittere Beigeschmack bleibt, man habe einfach eine Pressemitteilung der Stadt ohne nachzudenken übernommen. Denn in der Tat drängt sich der Verdacht auf, dass es wieder nur darum geht, die Autofahrer abzukassieren, denn die neuen stationären Blitzer stehen allesamt weder an Kindergärten, noch an Seniorenheimen oder Schulen. Da gehören solche Dinger nämlich hin, wenn es denn der Verkehrssicherheit dienen soll.

Aber nein, kein Wort, keine Fragen des schreibenden Redakteurs. Meine Frage: warum nicht?

Der weitere Fall betrifft mich durchaus selbst mit. Wir hatten eine Comedy-Veranstaltung in einem großen Einkaufszentrum. Nein, natürlich muss man das nicht gut finden, jeder darf seine Meinung frei äußern. Aber der berichterstattende Redakteur sollte sich schon überlegen, was und wie er es schreibt. Denn von einem Redakteur einer Zeitung darf man als Leser zunächst eine gewisse Objektivität in der Berichterstattung erwarten. Denn er soll in erster Linie informieren. Gern am Ende des Artikels auch seine eigene Meinung einbringen.

Wenn der Herr Redakteur aber bereits zu Beginn des Artikels den Veranstaltungsort „niedermacht“ ohne auch nur den Hauch einer Begründung dafür zu liefern, dann ist der Restartikel an sich schon wertlos. Leider können das dann immer nur diejenigen beurteilen die vor Ort waren und sich selbst ein Bild gemacht haben. Das nützt aber nicht dem allgemeinen Leser. Hier ist das Verantwortungsbewußtsein des Redakteurs gefragt – das ihm scheinbar abhanden gekommen ist.

Objektive Information bleibt auf der Strecke, hier wird von der Zeitung scheinbar reine Meinungsmache betrieben. Persönlich würde ich dem betreffenden Redakteur noch ganz andere Dinge unterstellen, aber ich bin ja ein netter Mensch. Wenn die betreffende Zeitung aber eine solche Schreibe zulässt, darf sie sich nicht über Leserschwund wundern.

Ich will dem Redakteur sicher nicht seine Meinung vorschreiben. Er darf und soll sie auch vertreten, allerdings soll er sie auch begründen. Erst recht dann, wenn er sich über 1/3 seiner Artikellänge am Veranstaltungsort regelrecht festbeißt. Muss ihm wichtig gewesen sein. Leider für den Leser nicht nachvollziehbar. Auch nicht für diejenigen die dort waren. Journalismus sieht für mich an sich anders aus. Das hier abgelieferte Werk war nicht mal Regionalliga.

Nachtrag:

Wie ich eben erfahren habe, hat der betreffende Redakteur nicht mal die ganze Veranstaltung gesehen und sich in der Pause verdrückt. Klar das er dann nichts weiter zu schreiben hatte.


Autor: Christian Rohweder

Begeisterter Fotograf und Motorradfahrer, Anhänger der Musik aus den 80ern, und Fan der folgenden Filme: Die unendliche Geschichte I, Fame (1980), Herr der Ringe, Harry Potter, Star Trek, Star Wars.

2 Gedanken zu „Lokalberichterstattung – was ist sie noch wert?“

  1. *hihi* Wieso hab ich so eine Ahnung, von welchem Blatt Du schreibst?

    Das Problem ist doch, dass es zu dieser einen Tageszeitung im Printbereich keine Alternative gibt. Wir vom Fördeflüsterer geben uns schon alle Mühe, ein gewisses „Gegengewicht“ zu schaffen, aber als gemeinnütziges Hobbyprojekt ist das natürlich nur bedingt möglich.

    Auf dem Kieler Barcamp gab es eine sehr gute Session zum Thema Lokaljournalismus, aus der heraus sich einige Leute zusammengefunden haben, um nun das „Landesblog“ zu betreiben. Ich finde, gerade in politischer Hinsicht ist das schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

  2. Och weißt Du…. :-D Ich lebe ja seit drei Jahren in Rendsburg und lese die bewußte Zeitung schon aus dem Grund nicht. Aber zur Zeit bin ich außerhäusig und da kriege ich die in die Finger und ich habe sie mal überflogen. Ergebnis liest Du oben ;-)

    An den Fördeflüsterer hatte ich zumindest für die Samstagsaktion auch gedacht, es aber gelassen, denn ich bin da halt mit involviert und hätte da keinen neutralen Bericht abliefern können.

    Im Grunde ist es aber traurig, dass die Leser aus der Region von diesem Printmedium quasi abhängig sind. Stellenweise gibt es ja auch mal gute Artikel, ab und an bekomme ich ja trotz allem mal einen in die Finger. Aber die Qualität ist doch sehr sprunghaft. Und das darf es an sich nicht geben.

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