Ein Jahr Radio 112 – behind the scences

Ok, der eigentliche Geburtstagstag ist schon vorbei, aber der März steht ganz im Zeichen unseres kleinen Juniläums. Ach so, vielleicht sollte ich noch erwähnen, was Radio 112 eigentlich ist. Obwohl, der Name sagt doch alles, oder? ;-) Radio 112 ist ein deutschsprachiger Internetradiosender mit viel guter Musik und Themen, deren Schwerpunkte im Bereich der Feuerwehren liegen.

Über ein Jahr sind wir nun im Internet auf Sendung, ein Jahr, das wie im Fluge vergangen ist. Und das so manche Überraschung für uns parat hielt, wobei wir offen dazu stehen: Radio 112 hat uns selbst überrascht und an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt ist es vielleicht eine gute Gelegenheit, einmal die Zeit von der Entstehung bis heute Revue passieren zu lassen.

Der Start

Wir gehen online

Es war Ende 2008, wir betrieben bereits zwei Internetradios, als unser Geschäftspartner Sven Probst von der NetzWerkstatt auf uns zu kam und wissen wollte, was wir von einem Feuerwehrradio hielten. Schweigen im Walde und vielleicht im Stillen die Frage, unter welcher Rubrik im Telefonbuch man wohl die nächste Psychiatrische Klinik finden würde. Im zweiten Anlauf dann aber die Erkenntnis, warum nicht? Wir wollen ja nicht Radio für drei Hörer machen, und die Zahlen die dann auf dem Tisch lagen waren sehr eindeutig.

Allein in Deutschland haben rund anderthalb bis zwei Millionen Menschen direkt oder indirekt mit der Feuerwehr zu tun. Das waren dann eindeutig mehr als drei potentielle Hörer. So begannen dann die Vorbereitungen. Hard- und Software musste vorbereitet werden, ein neuer Stream gebucht, GEMA und GVL angemeldet werden. Ach ja. Inhalte wären vielleicht auch nicht schlecht. Denn nur mit Musik allein ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Da war es aber, das kleine Problem. Feuerwehr – wer sind die denn überhaupt? Klar, die mit den roten Autos, viel Krach und blauen Wunderlampen auf dem Dach.

Da wurde uns dann bewusst, das die Wahrnehmung der Feuerwehren in der Bevölkerung vermutlich der unsrigen zumindest ähnelte. Irgendwie ungerechtfertigt. Ok, streiche „irgendwie“.

Es war inzwischen Januar und Dank der Kontakte über die NetzWerkstatt und viel Recherchiererei im Internet begannen wir eine Ahnung zu bekommen, was hinter dem „Apparat Feuerwehr“ steckt. Das fing mit der Erkenntnis an, dass 80 bis 90 % der Wehren in Deutschland freiwillige Wehren sind. Ging weiter über LFs, TLFs und DLs bis zu der straffen Organisation auch in den freiwilligen Wehren. Denn im Falle eines Falles muss alles ganz schnell gehen.

Wir hatten damit gerechnet, Radio 112 erst einmal komplett aus eigener Tasche zu bezahlen und mal zu schauen, was denn daraus werden würde. Die Idee eines Feuerwehrradios blieb allerdings nicht ohne Echo. Zwei Wochen vor dem offiziellen Start begannen wir mit dem Testbetrieb, drei Tage vor dem Stichtag hatten wir unseren ersten Werbevertrag unterschrieben – der den Sendebetrieb für 2009 absicherte.

Es war der 27.2.2009, als wir bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr im Amt Eiderkanal unseren ersten offiziellen Termin und Auftritt hatten. Nie vergessen werde ich, wie sich Olli bei unserem Eintreffen beim Amtswehrführer Fritz Kruse vorstellte: „Guten Abend, meine Name ist Olli Sachse von Radio 111!“. Ok, zumindest zwei der drei Zahlen waren richtig, macht eine Trefferquote von 66,6 Prozent. :-D

Sollte dies ein Omen sein? Wenn, dann sind solche Patzer ein Zeichen für Erfolg – und sie gehören einfach dazu. Im ersten Moment halt doof, aber wir hatten die Lacher dann doch auf unserer Seite.

Am 1.3.2009 waren wir dann auch offiziell auf Sendung, unsere „Betaphase“ war abgeschlossen, der entsprechende Hinweis verschwand von unserer Homepage. Und es begann eine Zeit mit viel Arbeit, vielen spannenden und schönen Erlebnissen und interessanten Erfahrungen. Wo es für uns machbar war, waren wir auch bei Veranstaltungen vor Ort, teilweise auch mit eigenem Stand. Wie z.B. bei den Rescue-Days in Norderstedt, den Jugendfeuerwehrtagen im Hansa-Park und Heide-Park oder auch bei „Appen musiziert. Da hatten wir sogar unsere eigene Bühne dabei. Und das war auch gut so.

Chaos in Soltau

Unser Stand in Soltau direkt nach dem Aufbau, bevor "Sören" zu Besuch kam.

Denn zwei Wochen vorher hatten wir unser chaotischtes Event bis dato. Es waren die Jugendfeuerwehrtage im Heide-Park Soltau und es war nicht so unser Wochenende. Auf dem Weg Höhe Hamburg beschlich mich ein komisches Gefühl. „Olli, hast Du gestern eigentlich die Lautsprecher eingeladen?“ „Nee, Du?“ „Nö.“ Nachdenkliches Schweigen. „Dann müssen wir nachher noch schnell welche kaufen.“ „Olli, das wird nichts. Heute ist 3. Oktober.“

Schade, Radio darzustellen ohne Lautsprecher ist doof. Zum Glück fand sich eine Lösung. Weniger Glück hatten wir mit dem Wetter. Sturmtief Sören stattete Deutschland einen Besuch ab – und auch wir wurden sein Opfer. Der niegelnagelneue Pavillon, der in der Woche zuvor im Hansa-Park seine Premiere bei bestem Sonnenschein feierte, nahmen wir dann als Totalschaden wieder mit nach Hause. Und da saßen wir dann, in zwei Wochen war „Appen musiziert“ und unser Stand hatte sich in Nichts aufgelöst.

Der Zufall kam ums zu Hilfe und Dank stage-liner konnten wir uns in Appen mit einer großartigen Bühne präsentieren. Da wurde nämlich noch bis in die späten Abendstunden geschraubt, um einen komplett neuen Anhänger extra für uns fertig zu machen!

Appen

Olli im Interview in Appen.

Appen – jeder kennt doch Appen, oder? Also ich kannte es nicht. Was auch daran liegt, das Appen (wie auch Wacken) normalerweise ein kleines nettes Dorf in Schleswig-Holstein ist. Genauer vor den Toren Pinnebergs. Man möge es mir verzeihen wenn ich sage, es liegt mitten in der sprichwörtlichen Pampa, wo sich abends Hase und Fuchs gute Nacht sagen. Und genau dort sollte eines der größten norddeutschen Feuerwehrevents statt finden? :thinking: Ich hatte da doch so meine Zweifel.

Die wurden auch nicht besser, als wir am Vortag dort eintrafen um die Bühne auf zu bauen. Dorf halt. Ausschilderung – ok, vorhanden, aber das da am Tag drauf fünfstellige Besucherzahlen über das Gelände laufen sollten – schwer vorstellbar. Wir lernten dann auch den Organisator kennen, Rolf Heidenberger. Es war noch viel zu tun, alle naselang standen die Leute bei ihm Schlange, wollten noch etwas. Und er hatte die Ruhe weg, der Fels in der Brandung. Ehrlich. Und dabei hilfsbereit, gut gelaunt als wenn nichts wäre. Respekt!

Wir also unsere Bühne aufgebaut und als wir am nächsten Morgen wieder auf dem Weg in Richtung Appen waren – regnete es. Die Voraussetzungen also alles andere als gut. Allerdings hörte es kurz vor Appen auf zu regnen, aber auch unsere Bühnencrew die vor Ort genächtigt hatte meinte, die Nacht hätte es durch geregnet. Innerlich stellten wir uns auf einen eher beschaulichen Tag ein – mussten dies aber bereits gegen 9 Uhr anfangen zu revidieren. Da kamen Menschen. Um 9 Uhr morgens auf einem Sonntag! Und es waren nicht wenige Menschen. Da kamen immer mehr! Bis zum Ende diesen Tages sollten es rund 25.000 Menschen sein, die dieses Fest besucht haben. Ergänzend sei zu erwähnen, dass in Appen den ganzen Tag die Sonne schien, nur drumherum kamen immer wieder Regenschauer aus dem Himmel.

Das angereiste Radio 112-Team war jedenfalls Abends fix und alle. Zumal auch wir unseren Teil beigesteuert haben und für den guten Zweck in dessen Zeichen „Appen musiziert“ steht, Grisus verkauft haben. Wir waren zwar völlig fertig als wir auf dem Heimweg waren, aber mehr als zufrieden.

Hier, jetzt und morgen

Partytime!

Das war das erste Jahr „Radio 112“. Vor ein paar Tagen hat unser Webauftritt einen neuen Anstrich erfahren und aktuell stecken wir in den Vorbereitungen für unsere Geburtstagsparty am 1. April hier in Rendsburg. Und auch sonst werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus, im Sommer sind wir als Messeradio auf der Interschutz in Leipzig, der internationalen (!) Leitmesse für Rettung, Brand-/Katastrophenschutz und Sicherheit.  Auch da werden wir mit einem Team anrücken, und auch der Heide-Park hat schon angefragt, ob wir dieses Jahr auch wieder kommen würden.

Was uns immer Leid tut sind die Absagen, die wir an kleine Events geben müssen, wenn sie weiter weg sind. Denn auch wenn oben jetzt Namen großer Veranstaltungen gefallen sind, so verstehen wir uns als Radio für die Wehren, für die Menschen die ihren Kopf für unsere Sicherheit hinhalten. Und wir wären gern öfters vor Ort, aber auch wir betreiben diesen Sender ehrenamtlich, freuen uns darüber, dass wir die Betriebskosten abgedeckt haben und verdienen unsere Brötchen hauptberuflich eben mit anderen Tätigkeiten. Es ist also leider immer eine Abwägung zwischen terminlicher und finanzieller Machbarkeit. Aber wir arbeiten daran. :-)

Bis heute haben wir unzählige Interviews mit Menschen rund um die Feuerwehr geführt, haben viele interessante Menschen kennen gelernt, haben viel Unterstützung aus den Reihen der Feuerwehren erfahren und einige tolle Partnerschaften geknüpft. Das Ergebnis dieser Arbeit: binnen einen Jahres von 0 auf 20.000 Hörer am Tag. Und darüber freuen wir uns natürlich sehr.

Bevor ich diesen Artikel nun schließe möchte ich etwas sehr wichtiges nicht unterschlagen. Unser Team. Die Mannschaft, die uns hilft das Programm mit zu gestalten und ihre Freizeit für Radio 112 zur Verfügung stellen, Sendungen, Spots, Jingles oder Infos produzieren. Ohne Euch ginge das alles gar nicht.

Danke!


Autor: Christian Rohweder

Begeisterter Fotograf und Motorradfahrer, Anhänger der Musik aus den 80ern, und Fan der folgenden Filme: Die unendliche Geschichte I, Fame (1980), Herr der Ringe, Harry Potter, Star Trek, Star Wars.

2 Gedanken zu „Ein Jahr Radio 112 – behind the scences“

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