Kamerakauf, aber welche?

In der letzten Zeit werde ich immer wieder mal darauf angesprochen, welche Kamera man sich sich denn nun heutzutage kaufen soll. Eigentlich ist diese Antwort ganz einfach: die, die am besten zu seinen Fotoambitionen passt. :-)

Jetzt hat sie endlich ihren Namen.

Das, was jetzt so ein bisschen „abwatschend“ klingt, entspricht aber letztlich durchaus den Tatsachen. Davor steht aber ein längerer Weg der Entscheidungsfindung, das stimmt schon. Deshalb ist es auch nur schwer, eine pauschale Empfehlung abzugeben, aber als Beratender kann man natürlich bei der Entscheidungsfindung behilflich sein.

Inzwischen unterscheiden wir nur noch grob zwei Klassen am Markt. Auf der einen Seite die Spiegelreflexkameras, auf der anderen Seite die Kompakten. Während sich Spiegelreflexsysteme (ja ich weiß, die Micro four-thirds betrifft es auch) im Nachhinein unterschiedlich und fast unendlich erweitern lassen, so ist in der Kompaktklasse recht schnell Schluss mit erweitern. An einer Kompakten ist alles dran was man braucht: Der Body, Blitz und natürlich ganz wichtig, das Objektiv, also die Optik. Je nach Modell kann man das gute Stück noch mit einem Aufsteckblitz und Vorsatzlinsen ergänzen (bei den anspruchsvolleren Kompakten ist das der Fall), aber dann ist auch schon das Ende der Fahnenstange erreicht.

Anders bei dem Spiegelreflexkameras (SLR – Single Lens Reflex). Einer der Hauptgründe sich eine SLR zu kaufen ist die Wechseloptik. Bedeutet, der Fotograf kann je nach Einsatzzweck (und Geldbeutel) an meinen Kamerabody das Objektiv montieren was er als geeignet empfindet. Die Auswahl ist hier schon schier unendlich. Es gibt Festbrennweiten, Zooms und Spezialoptiken für die Architektur in unterschiedlichsten Maßen, Ausführungen und Vergütung. Einfachste Objektive bekommt man für unter 100 Euro, nach oben gibt es an sich keine Grenzen, da gibt es auch Objektive, die mal eben im fünfstelligen Bereich liegen. Bei Linsen kann man also schnell gutes Geld los werden. Aber auch sonst gibt es rund um die Kamera reichhaltiges Zubehör, das einem das Fotografenleben angenehmer gestalten soll.

An dieser Stelle wird schon deutlich, worauf ich hinaus will. Bevor eine Entscheidung für eine Kamera fallen soll, muss man sich als Käufer darüber klar werden, wie die eigenen Fotoambitionen überhaupt sind. Wer nur mal ein paar Schnappschüsse machen will und die „Knipse“ immer in der Jackentasche dabei haben möchte, für den kommt sicherlich keine SLR in Frage. Vielmehr ist dann das Angebot bei den kleinen Kameras gefragt, die deshalb nicht unbedingt schlechte Bilder machen, dass muss auch mal gesagt werden. Dann gibt es auch im Bereich der Kompaktkameras die „gehobenen“ Geräte, die nicht mehr so „kompakt“ gebaut sind, weil sie eine qualitativ anspruchsvollere Optik verbaut haben. Diese Kameras ähneln äußerlich schon manches mal einer SLR und lassen dem Fotografen auch schon mal die komplette Kontrolle über die Einstellungen. Das ist dann etwas für diejenigen, die schon etwas mehr als nur Schnappschüsse machen wollen, aber die komplexe Materie der SLR-Fotografie scheuen. Ja, und der Rest, der dann richtig ambitioniert fotografieren will – dem bleibt dann nur der Griff zur SLR.

Bis hierher hat schon eine wichtige Entscheidungsfindung statt gefunden und an diesem Punkt kann dann so langsam das Produktportfolio der Hersteller in Augenschein genommen werden. Dummerweise ist das gerade im Kompaktbereich unüberschaubar, permanenten Änderungen unterlegen und ohne kompetente Beratung würde ich pauschal keine Kamera kaufen! Bedeutet: in den nächsten Fotoladen gehen. Das ist ohnehin ein genereller Rat. Denn bevor eine Kamera erworben wird, sollte sie in die Hand genommen und damit herumgespielt werden. Denn: nur wenn sie auch später gern in die Hand genommen wird, wird sie auch genutzt. Es ist hier wie überall. Ein Werkzeug, das gut in der Hand liegt, mit dem gerne gearbeitet wird, wird auch häufig benutzt. Ist das nicht der Fall ist das Geld zum Fenster heraus geschmissen.

Und das gilt für jede Kamera. Egal ob für die kleine Ultrakompakte für die Schnappschüsse, oder der Profibolide mit dem Bilder für National Geographic geschossen werden. Fotografieren ist Emotion und das fängt eben beim „Werkzeug“ schon an.

Nikon D700Diejenigen, die sich für eine SLR entscheiden, kommt jetzt etwas Gemeines hinzu, das man vor allem bei der Wahl der Optik beachten muss: Der Cropfaktor. Dieser Faktor beschreibt einfach gesagt eine (scheinbare) Verlängerung der Brennweite. Grund hierfür ist die Größe des in der Kamera verbauten Sensors. Der entspricht nämlich nicht der Größe des klassischen Kleinbildformats, sondern ist gerade im Bereich der Einsteiger-SLRs kleiner. In der Regel muss man mit einem Faktor von 1,4-1,6 rechnen, das schwankt immer etwas. Eine ausführliche Beschreibung dazu findet sich natürlich in der Wikipedia. Deshalb spare ich mir das an dieser Stelle und gehe nur darauf ein, was das in der Praxis bedeutet.

Die meisten Objektive am Markt sind für das 35mm Kleinbild gerechnet, also das, was es früher als Film gab. An digitalen SLRs in der teureren Liga ist das auch nicht mehr so sehr das Problem, weil sich hier der so genannte Vollformatsensor inzwischen durchgesetzt hat. Was aber ist mit der Einsteigerklasse? Wie geschrieben, sind die Sensoren hier kleiner. Dass muss dann bei der Verwendung der Objektive berücksichtigt werden.

Beispiel: Ein 50mm Objektiv soll an einer SLR verwendet werden, die einen Cropfaktor von 1,5 hat (der Faktor steht in der Bedienungsanleitung, also keine Angst). Wir rechnen 50mm x 1,5 = 75mm. Aus unserem „Normalobjektiv“ wird also quasi ein leichtes Tele. Gleiches gilt bei Zoom-Objektiven. Aus einem 18-70mm wird ein 27-105. Was in gewisser Weise ärgerlich ist, weil hier ein klasse Weitwinkel verloren geht.

Soweit so gut, jetzt gibt es aber keine Regel ohne Ausnahme: Es gibt durchaus Objektive, die für die kleineren Sensoren gerechnet wurden. Bei Nikon z.B. sind diese durch ein „DX“ im Namen zu erkennen, andere Hersteller machen es wieder anders. Also an dieser Stelle bitte unbedingt darauf achten.

Warum ich so ausführlich auf diesen technischen Aspekt eingegangen bin, hat einen einfachen Grund: Oft werden Kameras mit einem Objektiv im Bundle angeboten. Teilweise gibt es sogar eine Auswahl aus verschiedenen Bundels. Und da ist es dann einfach hilfreich zu wissen, dass das beigelegte 18-70mm an der Kamera eben umgerechnet werden muss. Wahrscheinlich wird jetzt gefragt, welches Objektiv für welchen Einsatzzweck? Gute Frage, nächste Frage. :-) Im Ernst: wenn man seiner Kreativität freien Lauf lässt, dann kann man jedes Objektiv für fast alles „missbrauchen“ je nachdem, was dargestellt werden soll. Aber gerade wer mit der Fotografie am Anfang ist und erst einmal einen Einstieg sucht, dem sei mit auf den Weg gegeben, dass Weitwinkelobjektive (18-35mm) gut für Landschaften sind. Normalobjektive (50mm) bis zum leichten Tele (105mm) klasse zum Fotografieren von Menschen taugen und alles darüber hinaus für Dinge, an die man nicht so dicht herankommt. Z.B. Tiere, Sport etc.

Fazit: Macht Euch Gedanken wie sehr Ihr fotografisch ambitioniert seid und auch was Ihr fotografieren wollt. Auch bei den Kompakten gibt es Kameras die unterschiedliche Brennweiten abdecken. Ach und ein Tipp noch für die Kompakten: Vergesst ganz schnell den Digitalzoom der immer gerne angepreist wird. Das Ding ist Müll. Ausschlaggebend ist das, was die Optik leistet. Wenn Ihr dann also wisst, in welche Kameraklasse es gehen soll, dann natürlich im Internet recherchieren, die in Frage kommenden Modelle eingrenzen. Für diejenigen die des Englischen mächtig sind empfehle ich auch immer wieder gerne dpreview.com, teils mit sehr ausführlichen Testberichten und entsprechendem Material. Und dann, ganz wichtig, in den Laden und das Ding in die Hand nehmen. Wenn es sich „doof“ anfühlt, weitersuchen.


Autor: Christian Rohweder

Begeisterter Fotograf und Motorradfahrer, Anhänger der Musik aus den 80ern, und Fan der folgenden Filme: Die unendliche Geschichte I, Fame (1980), Herr der Ringe, Harry Potter, Star Trek, Star Wars.

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