Ein Abschied

In meinem Fortbildungsseminar machen wir gerade Management-Techniken. Einleitend haben wir über die „Zeit“ als solche gesprochen. Haben uns bewußt gemacht, dass sie endlich ist, ohne zu wissen, wann unser „Kredit“ abläuft. Wie schnell das akut werden konnte, war mir allerdings in dem Augenblick nicht bewußt.

Noch am gleichen Abend kam der Anruf meiner Ex-Frau. Mein Ex-Schwiegervater ist gestorben. Einfach umgekippt, Herzversagen. Ohne Vorwarnung. Das sind Momente, in denen die Zeit zu verharren scheint, man ausgebremst wird wie bei einer Vollbremsung. Worte? Fehlanzeige. Vielleicht, weil man keine Möglichkeit hatte, sich vorzubereiten. Ob es besser ist? Das muß jeder für sich entscheiden. So man das kann.

Eine Lücke entsteht, die nicht wieder gefüllt werden kann. Eine Lücke, die man zwar akzeptieren, aber an die man sich nicht zwangsweise gewöhnen muß. Das Verarbeiten hat gerade erst begonnen. Gedanken an die Vergangenheit werden wach, an Momente, die vielleicht schon in Vergessenheit geraten schienen. Es sind diese Momenten, in denen man darüber nachdenkt, ob man mit dem Menschen immer richtig umgegangen ist, den man gerade verloren hat. Momente, in denen sich verpaßte Chancen wieder in Erinnerung bringen und die Frage aufwerfen, ob man immer richtig gehandelt hat. Das schmerzhafte daran ist die Tatsache, dass es nichts mehr ändert. Die Endgültigkeit hat die Türen geschlossen und der Zug hat den Bahnhof verlassen.


Autor: Christian Rohweder

Begeisterter Fotograf und Motorradfahrer, Anhänger der Musik aus den 80ern, und Fan der folgenden Filme: Die unendliche Geschichte I, Fame (1980), Herr der Ringe, Harry Potter, Star Trek, Star Wars.

5 Gedanken zu „Ein Abschied“

  1. Das tut mir leid mit deinem Ex-Schwiegervater.
    Das ist wirklich die Frage ob es besser ist auf sowas Vorbereitet zu sein oder, wenn sowas ganz plötzlich passiert. Ich war bei meinem Dad vor 2 Jahren drauf vorbereitet. Ca. 1 Monat vorher haben die Ärzte uns gesagt, dass er es nicht schaffen wird… das war schon wahnsinnig hart das so gesagt zu bekommen….

  2. ja, das ist schmerzhaft.
    Ich glaube, das es besser ist, wenn man nicht vorbereitet ist. Seit nun mehr 5 Monaten hat mein Papa Krebs. Zum zweiten mal. Letztes Jahr um die Zeit konnten wir einen zweiten Geburtstag feieren. Wie die Chancen jetzt sind, weiß keiner. Die Statistik sagt 70% zu 30%, aber trotzdem ist genau dieser Weg so unglaublich hart.

    Ich für mich wünsche mir, egal wie, schnell und ohne Vorwarnung zu sterben. Kein hin und her. Keine Krankheit… Einfach so… zwar ist es hart von jetzt auf gleich einen Menschen zu verlieren, aber am Ende ist es doch besser, wenn der Mensch, der sterben mußte, weil der gute Mann im Himmel sein Drehbuch so geschrieben hat, schnell stirbt. So hart das auch klingen mag.

    Ich wünsche dir alles gute und viel Kraft für die Tage die auf dich zukommen.

    Schöne Grüße

    Grimmy

  3. @Grimmy:
    Ich stimme dir voll und ganz zu. Und das mit deinem Dad tut mir leid. Ich kenne das ja… habe das 2 1/2 Jahre auch mitgemacht, bevor mein Dad dann gestorben ist…. mal stehen die Chancen größer, mal kleiner…

    @Christian:
    Ja, es macht einen auch wahnsinnig!

  4. Ich schliesse mich der Meinung an, dass hier ein überraschender Tod sicher für den ersten Moment schmerzhafter, aber grundsätzlich vielleicht leichter zu verarbeiten ist, als z.B. eine lange Krankheit.
    So zumindest ist meine eigene Erfahrung (Vater 6 Monate, Tante 1 Jahr (die ich dann auch noch die Ehre hatte betreuen zu dürfen)).

    In diesem Fall hinterlasse ich ein stilles Gedenken einem Mann, den ich auch die Freude hatte kennenlernen zu dürfen. Ein Mensch mit einer eigenen Sicht der Dinge, aber trotzdem herzlich auf seine Art. Wo auch immer er sein mag, ich hoffe, es geht im gut.

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